Gründungsgeschichte

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Die Zeit der Gründung

Anfang der 1870er Jahre war gerade seit zwei Jahren der Krieg gegen Frankreich beendet, und in Berlin wurde im Drei-Kaiser-Abkommen die Zahlung der Kriegsentschädigung durch Frankreich festgelegt.Statuten 1Statuten der FF Königsbrunn

Wir zählen drei Jahre nach dem 1. Vatikanischen Konzil, in dem das von Papst Pius IV. verkündete Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes (ex kathedra) angenommen worden war, was zahlreiche Kirchenaustritte und den Kulturkampf, den Kampf des Staates gegen den politischen Katholizismus, provozierte. Die Löwenbrauerei München war gerade eine Aktiengesellschaft geworden und Carl Linde baute gerade in Augsburg seine erste Kältemaschine.

Im Bereich der Stadt Augsburg war in jener Zeit auch bezüglich der Feuerwehren einiges geschehen. Bereits im Jahre 1849 war ein "Rettungsverein" als erste Freiwillige Feuerwehr im rechtsrheinischen Bayern gegründet worden.

Auch bei den Betriebsfeuerwehren war Augsburg bayernweit spitze! Am 12. Mai 1856 wurde in der Kattunfabrik die erste Fabrikfeuerwehr Bayerns installiert.

Am 1. August 1856 folgte bereits die Kammgarnspinnerei. Dafür wurde der Dritte Deutsche Feuerwehrtag 1862 in Augsburg ausgerichtet. Die Männer von 143 Freiwilligen Feuerwehren waren erschienen. "Gott zur Ehr - dem Nächsten zur Wehr", so lautete der Wahlspruch (von Carl Metz), der ebenso zum allgemeinen Feuerwehrmotto wurde, wie die Worte: "Einer für alle - alle für einen."

Statuten 2 Statuten der FF Königsbrunn

Zur Gründung des Bayerischen Feuerwehrverbandes im April 1868 in Gunzenhausen waren 115 Vertreter der damals insgesamt 190 bayerischen Feuerwehren erschienen.

In den Jahren 1870/71 rückte vor allem die Einführung des Sanitätsdienstes wegen des deutsch-französischen Krieges in den Vordergrund.

Nachdem aber 1873 durch die Errichtung einer Landesunterstützungskasse die Hilfe bei Unfällen während des Dienstes gesichert war, gingen die Neugründungen der Wehren schneller voran. War die Zahl der Wehren am Jahresende 1868 noch bei 262, so zählte man im Jahre 1875 bereits 2486 Feuerwehren.

In diese Zeit fielen auch die Gründungen der meisten Freiwilligen Feuerwehren unseres Lech-Wertach-Raumes. Als erste wagten die Schwabmünchner 1869 die Gründung, gefolgt von Großaitingen 1870, Bobingen anno 1871 und Graben 1872.

Statuten 3Statuten der FF Königsbrunn

Im Jahr 1873 kamen Langerringen, Kleinaitingen, Oberottmarshausen, Königsbrunn und Haunstetten. Danach wurden Feuerwehren in Wehringen, Straßberg, Reinhartshofen und Untermeitingen gegründet.

Da der Brandschutz mit zu den Pflichtaufgaben der Gemeinde gehörte, war neben der freiwilligen Feuerwehr damals auch noch die Pflichtfeuerwehr in den meisten Orten eingerichtet. Zur Jahrhundertwende zählte Schwabmüchen 215 Freiwillige/300 Pflichtfeuerwehrleute, Langerringen 116/60, Untermeitingen 62/60, Großaitingen 105/60, Reinhartshofen 32/10, Wehringen 61/50, Bobingen 179/121, Straßberg 51/12, Kleinaitingen 56/-, Oberottmarshausen 31/12 und Königsbrunn 63/112.

 

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Die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Königsbrunn

GründungsurkundeGründungsurkundeAuch in Königsbrunn muß der Anfang des Feuerwehrwesens mit verpflichteten Feuerwehrlern gemacht worden sein, denn ein Jahr vor Gründung der Freiwilligenmannschaft hatte die Gemeinde bereits eine Spritze angeschafft. Die Akten des Bezirksamtes Schwabmünchen (betreffend die Freiwillige Feuerwehr Königsbrunn - Abg. 1992 Nr. 274) beginnen mit einem Protokoll vom 10. März 1872, in dem gemäß bezirksamtlichen Auftrages die Mitglieder des Brandversicherungs- und Gemeindeausschußes sowie der Feuerwehrmann und frühere Spritzenmeister Georg Häring aus Bobingen als Fachmann die Überprüfung der neu angeschafften Feuerlöschmaschine vorgenommen haben.

"Das Resultat dieser Probe war, daß die Maschine in all ihren Theilen vollkommen entsprach und für die Gebäude in hiesiger Gemeinde vollständig ihrem Zweck entspricht."

Am Februar 1873 meldete Bürgermeister Johann Rager dem Bezirksamte gehorsamst, dass

"die hiesige Gemeinde eine neue zweirädrige Kammerspritze vom Geschäftshause des Glockengießers Eduard Becker aus Ingolstadt um den Preis von 235 fl. Erhalten hat."

Diese Geräte wurden zunächst von einem Spritzenmeister der Pflichtfeuerwehr als Gemeindebediensteten bedient.

GründungsurkundeGründungsurkundeAuf Grund der Initiative des Strumpfwirkers Josef Dieminger sowie der Ökonomen Gottfried Stark und Josef Marquard traf sich am 16. März 1873 im Gasthaus Lauser (heute: Gasthof Krone) eine große Schar Königsbrunner, um eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen. Diese Gründungsversammlung wurde von Pfarrer Josef Federle und dem Lehrer Karl Igel geleitet. Die beeindruckende Zahl von 47 Mann verpflichtete sich, unter den neuen Statuten durch "kräftiges Zusammenwirken beim Ausbruch eines Brandes dem Feuer Einhalt zu thun und das Hab und Gut eines Jeden zu schützen" (§1 der Statuten).

Sie wählten Gottfried Stark zum ersten Commandanten, zum Stellvertreter Josef Dieminger. Zugführer wurden Adam Stark und Adam Faßler. Nach 10 der Statuten bildeten Commandant und Zugführer den sogenannten Ausschuß, wobei ein Zugführer Schriftführer, der andere Kassier machen sollte. Der Kassier hatte alle drei Monate Rechnung zu legen. Sodann gelobten die 47 Mitglieder per Handschlag dem neuen Kommandanten Eifer und Opferwilligkeit. Abschließend wurden die beigetretenen Männer in Steiger, Spritzenmänner und Ordnungs- oder Rettungsmänner eingeteilt.

Der Ausschuß meldete unter Vorlage der Statuten den Verein beim Bezirksamt an, bat um Sanktionierung der Statuten und Anerkennung des Vereins.

"Zugleich wurde an das Kgl. Bezirksamt die gehorsamste Bitte erstellt, die Gemeindeverwaltung resp. den Bürgermeister zu veranlassen, daß der hiesigen Feuerwehr die neu angeschaffte Spritze und die übrigen Requsiten zu den Übungen überlassen werden".

Dieser Bitte entsprach das Bezirksamt, hocherfreut über die stattliche Zahl der Gründungsmitglieder. Es wies außerdem die Gemeinde an, die Zeitung für das Feuerlöschwesen auf ihre Kosten für die Feuerwehr zu bestellen, die Entscheidung dem Commandanten mitzuteilen und den Feuerwehrvorstand anzuhalten, dem Landesausschuß der bayerischen Feuerwehren in München eine Anzeige von der Gründung in Königsbrunn zu senden, "da nach §10 der Satzungen der Landesunterstützungskasse jede bayer. Feuerwehr berechtigt ist, Unterstützung für ihre Mitglieder zu fordern, wenn sie die fragliche Anzeige gemacht hat." Am 1. April 1873 zeigte Bürgermeister Johann Rager gehorsamst den Vollzug der Anweisungen dem Bezirksamt an.

Ihren ersten großen Einsatz hatte die Freiwillige Feuerwehr Königsbrunn am 25. August 1875 in der Kunstmühle in Haunstetten zu leisten. Dabei fingen die beiden Schlauchführer Johann Butt und Georg Rößle Feuer, weil sie sich zu nahe heranwagten und sie mussten in den Lochbach springen, obwohl sie nicht schwimmen konnten. Vorstand Dieminger und Commandant Gruber retteten sie vor dem Ertrinken.

 

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Erste Probleme

So ganz ruhig und friedlich scheinen aber die ersten Monate nach der Gründung nicht abgelaufen zu sein, denn bereits am 27. Juli 1873 hat Gottfried Stark seine Abdankung an den Stellvertreter gesandt. Am 3. August wurde in einer außerordentlichen Versammlung Friedrich Gloßner zum Commandanten und Josef Dieminger zum Vorstand gewählt. Im folgenden Jahr macht sich das Bezirksamt Sorgen, denn es war dort bekannt geworden, daß "die Mitgliederzahl der freiwilligen Feuerwehr in Königsbrunn seit neuerer Zeit in höchst bedauerlicher Weise abnimmt."

Der Bürgermeister erhielt den Auftrag, im Benehmen mit dem Vorstand zu berichten. Gleichzeitig drohte das Bezirksamt mit der Pflichtfeuerwehr. Bürgermeister Matthias Wahl antwortete am 9. Juni 1874, daß ohne äußeren Grund 22 Aktive ausgetreten seien, dagegen wieder manche andere eintreten würden. "Die allgemeine Abnahme der Mitgliederzahl mag allerdings bedauerlicher Weise im Mangel an gutem Sinn für die Wohltätigkeit des Instituts seinen Grund haben" und er versprach selbst Reklame zu machen, damit die Zwangsfeuerwehr Überflüssig werde.

Die Pflichtfeuerwehr war aber in der Folgezeit unvermeidbar (1878 waren mit Chargirten nur mehr 17 Mann Freiwillige) und in den Büchern der freiwilligen Feuerwehr werden die Pflichtfeuerwehrler immer wieder erwähnt. Um die Jahrhundertwende sind 112 Pflichtfeuerwehrler gegenüber 63 Freiwilligen gemeldet.

Es wird nachgerüstet

Das Jahr 1876 brachte die erste Saugspritze zum Preis von 1.400 fl (Gulden), dazu stiftete seine Majestät, König Ludwig II. von Bayern, 800 fl.

In den Akten des Bezirksamtes befindet sich ein Bericht über eine Inspektion vom 13. Mai 1877. Er gibt uns einen guten Einblick in die damaligen Verhältnisse:

Eine Saugdruckmaschine von Becker Ingolstadt mit Normalgewinde ist vorhanden, dazu 30 m Schläuche "welche jedoch nicht genügen."

Ein Wagen fehlt, vorhanden ist jedoch eine Stützleiter und eine Steigleiter, weiter eine Feuerfahne, 8 Eimer, "jedes Haus hat Laterne, 2 Rettungseimer." Auf die Frage, wie die Steiger, Spritzenmänner und Ordnungsmänner ausgerüstet seien, lautet die Antwort: "Vollkommen."

Die Feuerwehr-Cocarden sind eingeführt, die Chargirten tragen Sterne (Hauptmann drei im Dreieck, Zugführer zwei, Rottenführer einen) und Helmbüsche in den vom Landesausschuß festgesetzten Farben (Hauptmann weiß, Adjutant rot, Führer ganzer Abteilungen schwarz). Lediglich auf die Frage, wie das Feuerhaus beschaffen sei, lautete die Antwort diplomatisch: "entsprechend."

Insgesamt 44 Mitglieder bewiesen bei dieser Inspektion, daß sie "im Fußexercitium geübt" waren (die Freiwilligen besser), "das Ein- und Ausmarschieren an die Geräte und von denselben samt Schwenkungen mit den Geräten" beherrschten.

Die Landesvereinssignale waren eingeführt, richtig und deutlich beherrscht und verstanden. Signalinstrument war das Horn. Nach genauen Angaben über Handhabung der Geräte, Art der Schlauchbehandlung und der Wasserbeschaffung, Beschaffenheit der Bücher, Monatsversammlungen und Zustand der Feuerlöschordnung wurde schließlich eine geringe Unterstützung durch die Gemeinde festgestellt.

Als "dringlichstes Anliegen" wurde deshalb auch um mehr Unterstützung durch die Gemeinde bei der Beschaffung von weiteren Schläuchen gebeten. Als Gesamtergebnis ist "eine zweckmäßigere der Pflichtfeuerwehr" festgehalten.

Das Problem Freiwillige- / Pflichtfeuerwehr war erst endgültig am 19. Juli 1929 gelöst, wo im Beisein von Bürgermeister Brehm in einer Ausschußsitzung beschlossen wurde, die Pflichtfeuerwehr dem Kommando der Freiwilligen Feuerwehr zu unterstellen. (Und beide hatten gleich viele Übungen zu machen: Im Frühjahr 2 und im Herbst 2.)

Ein Jahr später konnte der erste Steigerwagen angeschafft werden. Eine einheitliche Uniform erhielten die Königsbrunner erst 1882, dabei mussten die Mitglieder tief in den eigenen Geldbeutel greifen. Drei Jahre später schließlich schaffte die Gemeinde die erste Feuerleiter an.

Löschwasserprobleme

Zu den Problemen der Kommandanten gehörte auch die Beschaffung des Löschwassers. Es mußte aus den Hausbrunnen gesaugt werden, soweit diese gegraben waren.

Am 1. März 1937 wendet sich der Landesbranddirektor selbst an das Bezirksamt mit folgendem Ersuchen:

"Beim Brand in Oberottmarshausen am 9.XI.1936 hat sich erneut gezeigt, daß die Löschwasserversorgung der Gemeinde Königsbrunn, die hier zuständig gewesen wäre, dringend einer Besserung bedarf. Ich ersuche Sie, auf die Gemeinde einwirken zu wollen, daß hier Abhilfe geschafft wird und bemerke, daß die Bayerische Versicherungskammer hierzu Beihilfen und allenfalls auch ein Darlehen zu verbilligten Bedingungen gewährt."

Erst in den 40er Jahren wurden gezielt Brunnen für die Brandbekämpfung gegraben. 1942 erstellt Maurermeister Konrad Beck 8 und 1943 18 Brunnen, zwei fehlten noch mangels Zementrohren. Für 20 Brunnen wurde auf Antrag von Bürgermeister Schreijak ein Zuschuß von 30% gewährt. Dieser Zuschuß geschah unter dem Eindruck des Krieges und wegen der Nähe des Fliegerhorstes Lechfeld und der Messerschmittwerke. Danach waren mit den Privatbrunnen im ganzen Ortsbereich 52 Brunnen einsatzbereit.

Dass die Wasserleitung hier schließlich eine wesentliche Verbesserung brachte, ist den lobenden Worten des Beschlußbuches zu entnehmen:

"Bei einem saftigen Gewitter am 13. Juni 1952 nachmittags 17.50 Uhr schlug der Blitz in eine Scheune des Landwirts Ambr. Braun. Durch Glockenläuten fand die Alarmierung der Wehr statt, da kurz vorher ein Blitz in die Stromleitung schlug und somit die Sirenen nicht aktionsfähig waren. Trotzdem war die Wehr rasch am Brandplatz.
Sie konnte mit 2 Hydranten von der erst im Vorjahr errichteten Wasserleitung aus mit 2 B- und 4 C-Schläuchen den Brandherd bekämpfen und die anliegenden Anwesen abschirmen. [...]
Bei obigem Brand wurde klar festgestellt, daß die neu erbaute Wasserleitung vollauf ihrem Anspruch genügte, denn ohne sie wäre noch ein weiteres Anwesen ein Raub der Flammen geworden."

 

 

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Sondereinsätze

Die Feuerwehr wird aber auch bei allen "Notfällen", nicht nur in Brandfällen eingesetzt.
Dass dies auch früher schon so war, darüber gibt das Protokoll- und Einsatzbuch trefflich Auskunft. So heißt es am 3. Juli 1889:

"Verfolgen und Arretieren einer Zigeunerbande. Eine Zigeunerbande machte nämlich den Ort Königsbrunn unsicher durch Rohheiten, Stehlen verschiedener Gegenstände.
Die Gendarmerie war in Kenntnis gesetzt, konnte aber nichts dagegen ausrichten, da die Bande zu stark war, weshalb die Gendarmerie die Feuerwehr zu Hilfe rief.
Erst dann gelang es, die Bande in einer Kiesgrube ober Königsbrunn, wohin sich dieselbe geflüchtet hat, nach hartnäckigem Widerstand festzunehmen."

 

von Albert Teichner zum 125-jährigen Gründungsfest der Freiwilligen Feuerwehr Königsbrunn

 

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